Blogbeiträge

01.01.2010 10:01 | Webdesign

Von Dot.com zum Web 2.0 im Tourismus

Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends prägte die Gesellschaft weltweit in Sachen Multimedia, Internet und Web. Grund genug, um mal ein wenig zurückzublicken und die Auswirkungen auch auf den Tourismus zu betrachten.

1995 hörte ich auf der Seybold Konferenz in San Francisco einen Vortrag von einem Visionär: Er behauptete, dass in wenigen Jahren jede Firma und Privtaperson eine eigene Website haben und nur noch mit einer dot.com URL werben wird. Das hielten einige für übertrieben und insbesonders Presse und Verlage waren vielfach der Meinung, dass sich das Internet niemals im privaten Bereich durchsetzen würde. Damals verging auch kaum ein Tag, an dem nicht irgendeine neue Multimedia Firma an die Börse gejagt wurde und eine Agentur nach der anderen von immer größer werdenden geschluckt wurde. Gier und Fusionities greifte um sich… im Grund genommen genau dieselbe Situation wie 2008 mit der Immobilienkrise…

Gegen Ende des Jahres 2001 ist die große Internet-Blase geplatzt.Viele hielten daraufhin das Internet für einen überschätzten Hype und dachten wohl, das wars…

Nach einer großen Marktbereinigung sind in den darauffolgenden Jahren jedoch viele neue, spannende Internet-Projekte entstanden. Die übriggebliebenen Dot-Com-Unternehmen wie “Google”, “Amazon” oder “eBay” verdienten besser denn je und ein neuer “Boom” entstand – auch bemerkbar in der Tourismusbranche, in der zahlreiche Newcomer “neue” Tourismusportale aus dem Boden stampften.

Tim O’Reilly prägte 2005 für diesen zweiten, von vielen unbemerkten Internet-Boom eher zufällig den Kunstbegriff “Web 2.0″. Letztendlich geht es dabei vor allem um eines: Nicht mehr die Programme auf dem PC zählen, das Internet selbst wird die Anwendung. Dahinter steckt eigentlich eine “alte” Technik von Microsoft aus dem Jahr 1999 (Entwicklung von Ajax). Hohe Bandbreiten und die Verbreitung von DSL in den Haushalten machten diese Technik einer breiteren Masse zugänglich. Allgemein versteht man unter “Web 2.0″ sowas wie Community-Funktionen, Blogs, RSS, oder Social Networks, usw. Immer häufiger entwickeln sich daher auch Hotel Websites und Websites von Tourismusorganisationen zu einem Mehrwege-Kommunikationsplattform, bei denen Besucher Artikel bewerten oder Kommentare dazu abgeben, RSS-Feeds abonnieren oder gar die letzten letzten Urlaubsfotos selbst hochladen können.

Technik damals und heute: Während in der 90er Jahren Websites noch sehr statisch aufgebaut wurden und nicht viel mehr als Texte, Bilder und Flash-Animationen enthielten, entwickeln sich moderne Website zunehmend zu komplexen Anwendungen, basierend auf Content Management Systemen oder Frameworks, die mit allerlei Plugins und Extensions erweitert werden können und so noch mehr Funktionen, Features und Gadgets bereitstellen. Die Sache wird für Programmierer damit allerdings auch wesentlich komplexer – die Zeit, in der “klassische Grafiker” oder jedermann mit ein bisschen HTML-Kenntnissen auch moderne Webseiten selbst umsetzen kann, scheint damit zu Ende zu gehen.

Die durch Web 2.0 getriebene Entwicklung der Technik hin zu mehr Funktionalität und Dynamik brachte zahlreiche interessante Standardmodule, die auch abseits der beschriebenen Mitmach-Web-Plattformen Anwendung finden. Nützliche Standardmodule für Hotel Websites sind beispielsweise Fotogalerien, bei denen die Bilder nicht mehr in einem neuen Browserfenster, sondern direkt auf der Webseite in größerer Ansicht halbtransparent nachgeladen werden können (klicken Sie mal auf die Grafik oben…).

Es muß aber auch erwähnt werden, dass sich der Aufwand für die Entwicklung einer modernen Website deutlich erhöht, sofern der Website-Betreiber von diesen Technologien profitieren möchte. Zwar gibt es mittlerweile sehr gute Systeme wie bspw. WordPress (welches auch auf dieser Website verwendet wird), die in einer halben Stunde installiert sind und einen enormen Funktionsumfang bereitstellen, aber die Individualisierung des Designs und die stetige Wartung des Systems (ständig neue Updates und Sicherheitspatches einspielen, Datenbanken sichern, individuelle Funktionen programmieren, usw.) erfordert mehr Zeit als bei statischen Websites.

Heute leben wir täglich mit dem Internet: Wir laden Musik über iTunes, wir Skypen, wir Googeln, wir Onlineshoppen, usw. Die Zeiten des “Booms” und unkontrollierten Wachstums sind in der Internetbranche sicherlich überwunden. Es bleibt aber dennoch spannend, welche “KillerApp” als nächstes unser Leben bereichern wird. Ich persönlich habe da schon eine kleine gefunden und mache zeitweise sogar schon davon Gebrauch: Der “Power-Off”-Button auf meinem Handy !

  • Share/Bookmark

Kommentieren