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Social Media Netzwerke: Servus und Aufwiedersehen!
Zahlreiche Internetagenturen preisen Social Media Netzwerke wie Facebook, mySpace und Co als “must have” für Hoteliers und Touristiker an – aber warum eigentlich? Der zeitliche Aufwand, um alle “Followers” und “Friends” mit den immer neuesten Meldungen zu “versorgen” oder sich überhaupt “neueste Meldungen aus den Fingern zu saugen” erfordert für ein Hotel mindestens eine weitere Vollzeitstelle, darum bieten einige Agenturen einen “Pflegeservice” für Facebook-Profile an und fügen Meldungen hinzu, als ob diese vom Hotelier selber kommen würden…
Ich bin vom Nutzen der Social Media Netzwerke im Tourismus zur Zeit nicht überzeugt und schwimme bei diesem “Trend” derzeit etwas gegen den Strom. Zumal ich “gefakte News” weder für sehr hilfreich für den Gast noch langfristig nützlich für den Betrieb halte. Aufzuhalten ist dieser Trend zwar, nicht, doch man sollte sich über einige offene Fragen bewußt sein.
Mangelhafte oder zumindest fragwürdige Datenschutzbestimmungen
Die persönlichen Daten werden elektronisch gespeichert, mit anderen Profilen verglichen, Ähnlichkeiten gesucht und gefunden und man wird typisiert. Letztelich dient das ganze dazu, um mir personalisierte Werbung anzubieten. Hinzu kommt das Problem, dass die Einträge – egal ob es sich dabei um Zwitschereien oder Erfahrungsberichte handelt – ein sehr genaues Bild von der Persönlichkeit auch nach Außen hin widerspiegelt. Und das nahezu “unlöschbar”, denn irgendwo wird im Web immer alles gespeichert…
Mangelnde Authentizität, Cyber-Stalking und Seelen-Striptease
Gesellschaftlich gesehen stellt sich die Frage, wer “wichtiger” ist: Ein Mensch, der im richtigen Leben gerade mal eine handvoll echter Freunde hat, oder ein Networker mit hunderten Friends auf Facebook? Bei den Business-Netzwerken á la XING erwarten sich viele, “entdeckt” zu werden und den ultimativen Job oder Auftrag zu erhalten. Kleine und große Unternehmen glauben, sich in Facebook ein bestimmtes Wunsch-Image aufbauen zu können. Und im Tourismus? Kann ich über Social Media Netzwerke tatsächlich eine Buchungsauslatung erzeugen und enger mit den Stammgästen in Kontakt zu bleiben?
Mag sein, dass es sowas vereinzelt gibt, aber sind wir doch mal ehrlich: Die meisten Aktionen in Social Media Netzwerken sind doch “Cyberstalking” (was macht der/die Ex?), “Seelen Striptease” bzw. “Fishing-for-compliments” (“ich mach grad dies oder das…”) oder schlichtwegs “Zeitvertreib” auf Firmenkosten! Muss ich sowas alles wissen?!
Social Media Netzwerke – kann man als Touristiker darauf verzichten?
Diese Frage läßt sich aus meiner Sicht nicht pauschal beantworten. Warum? Weils eigentlich mehr drauf ankommt, ob eine Unterkunft den Gästen ein positives Erlebnis in der reellen Welt bietet. Virtuell kann jeder von sich alles behaupten – aber wenn Gäste dadurch eine andere/falsche Erwartungshaltung bekommen und enttäuscht werden, rächt sich das umso schneller.
Warum noch? Weil spezialisierte Plattformen wie bspw. HolidayCheck momentan – aus meiner Sicht – viel effektiver sind, sich vorab über den aktuellen Zustand eines Hotels zu erkundigen, egal was der “Hotelchef” (=seine Internetagentur) gestern grad getwittert hat… Drum würde ich empfehlen, sich primär mit diesen “speziellen” Plattformen auseinanderzusetzen.
Nicht jede “Innovation”, die im Web für Furore sorgt, läßt sich auf ein Geschäftsmodell im Alltag übertragen; nahezu alle Plattformen setzen auf “Werbung” als Geschäftsmodell. Eine Zeit lang geht alles gut, weil Venture Capital noch nicht aufgebraucht und der eine oder andere Euro mit Bannerverkauf reinkommt. Geld machen aber letztlich nur die Gründer, die ihr Online-Netzwerk zum richtigen Zeitpunkt verkaufen, bevor es dann Monate oder wenige Jahre später den Bach runtergeht und das Geld anderer Leute (Investoren, Aktieninhaber) verbrannt hat (DotCom 2.0 Blase). Und die Frage ist natürlich auch, ob “Twittern” wirklich das richtige Medium im Tourismus ist, um Neuigkeiten zu publizieren – oder ob man hierfür nicht besser seinen eigenen Hotelblog oder ein Presseportal bedient.
Aussteiger berichten
Interessant zu lesen finde ich Kommentare derer, die ausgestigen sind.
Wie wichti oder nicht wichtig Social Media Plattformen sind, wage ich heute nicht zu beurteilen. Mir fällt dazu aber immer der einstige “Hype” um Secon Life ein: So manche Agentur hatte damals den österreichischen Hoteliers unbedingt geraten, dazuzugehen und sich ein “virtuelles Plätzchen” zu reservieren; mit nicht unerheblichen Kostenaufwand für den Hotelier aber wenig Nutzen (außer für die Agentur). Heute kann man nachlesen, wie Second Life langsam untergeht…

