Safer Internet & Datenschutz

Im Mittelpunkt des Safer Internet Day 2010 steht in diesem Jahr das Thema “Datenschutz”. Gerade in Zeiten von Social Media Netzwerken sollte dieses Thema besondere Aufmerksamkeit erfordern, wird aber offenbar von vielen Usern im Facebook-Hype gar nicht richtig wahrgenommen. Und auch die Tourismusbranche bleibt davon nicht unberührt.

Wozu Datenschutz, wenn ich nichts zu verbergen habe?!

Diese Frage beschäftigt mich schon länger, weil sie nicht nur mich, sondern jeden etwas angeht. Was bin ich bereit, im Internet über mich preis zu geben? Muß/will/darf ich überhaupt irgendwas über mich erzählen? Und welche Daten werden von mir gesammelt, ohne dass ich davon überhaupt etwas weiß? Sobald man mal ein bisschen drüber nachdenkt und recherchiert (googelt) entdeckt man, dass “Datenschutz” keine triviale Angelegenheit ist, die man einfach so wegdiskutieren oder gar mit einem Satz beantworten kann.

Tracking von Websites, Google Analytics, Speicherung des Nutzerverhaltens

Schon zu Beginn des Internet Booms in den 90er Jahren wurden Websites “getrackt” – zumeist über eine eingebaute Log-Funktion des Webservers. Es ging primär darum, festzustellen wieviel Kilobytes an Daten runtergeladen wurden, weil die Provider damals noch nach Volumentarife abrechneten. Allerdings waren die meisten Websites – zum Beispiel Hotelseiten oder Regionsseiten eines Tourismusverbands damals auch nicht viel mehr als eine “elektronische Visitenkarte” und kaum jemand interessierte sich für mehr als nur die Messgrößen “Seitenaufrufe/Pageviews” oder “Besucher/Visitors”.

Heute spielt sich das gesamte Vertriebs- und Marketinggeschehen rund um eine touristische Destination im Internet ab. Für die Entwicklung von Websites und das Webmarketing werden viel Zeit & Ressourcen investiert und beachtliche Summen ausgegeben. Betrachtet man das ganze nüchtern betriebswirtschaftlich, dann ist es für kommerzielle Websitebetreiber – meiner Ansicht nach – absolut legitim, zu messen welche Wert/Einnahmen (in Form von Anfragen, Buchungen, Anzahl Besuchern, etc.) den Ausgaben gegenüberstehen und ob sich bspw. die teure E-Marketing-Kampagne gerechnet hat. Das Google Analytics System liefert diese Antworten – einfach und kostenlos. Und steht aber gleichzeitig auch in der Kritik, die Daten der Surfer zu sammeln und zu verwerten… siehe ORF-Artikel. Andererseits nutzt der ORF genauso ein Trackingsystem – die oewabox – und erstellt damit Statistiken für seine Websites.

Mit einer Webstatistik-Datensammlung kann ich leben, weil diese normalerweise nicht personalisiert ist und ich selbst Herr über meine Cookies und meinen Browserverlauf bin. Viel kritischer sehe ich da schon das Thema Vorratsdatenspeicherung unter dem Deckmantel der Verbrechensbekämpfung… hatten wir nicht mal ein Rechtssystem mit Unschuldsvermutung?

Aber noch viel bedenklicher finde ich was Facebook über Nicht-Mitglieder weiß – während beim isolierten Website-Tracking “nur” der Nutzen für den Website-Betreiber im Vordergrund steht, werden mit der Verknüpfung verschiedener technischer Systeme ganze Profile und Psychogramme bezogen auf einen Menschen erstellt. Und ICH habe darauf keine Möglichkeit darauf Einfluß zu nehmen, personalisierte Daten zu korrigieren oder gar zu löschen! Offenbar nicht mehr mal dann, wenn ich mich dem Social Media Hype entziehe… DAS ist aus meiner Sicht die primäre Baustelle, mit der sich Datenschützer auseinandersetzen sollten!

Was Sie selbst zum Datenschutz beitragen können

Für den Internetalltag gibt es einige einfache Tipps & Tricks, die man beherzigen kann:

  • Halten Sie ihr System “sauber”
    • Aktuelleste Windows Updates, aktuellste Virenscanner und aktuelle (!) Browserversionen sollten auf keinem System fehlen
  • Browser Sicherheit
    • Für Werbemuffel: Popup-Blocker sind mittlerweile wirkungslos, surfen Sie lieber mit dem Firefox Browser mit dem AdBlock Plus Plugin
    • Mehr Privatsphäre: Stellen Sie Ihre Browser so ein, dass besuchten Seiten, Cookies, etc. beim Beenden gelöscht werden
    • Installieren Sie nicht mehrere Toolbars gleichzeitig und vor allem: LESEN Sie BEVOR Sie einen Installationshinweis zustimmen
  • E-Mail Sicherheit
    • Aktivieren Sie bei Ihrem Internetprovider den serverseitigen Spam- und Virenfilter
    • Antworten Sie nicht auf E-Mails, die Ihnen hohe Gewinne oder Erbschaften versprechen
    • Öffnen Sie keine E-Mail Anhänge, die sie nicht kennen – vor allem von Personen, die sie nicht kennen
  • Speziell für Hotels
    • Installieren Sie auf den Rezeptions-PC keine Software, die sie nicht wirklich für die Abwicklung des Alltagsgeschäft benötigen
    • Blocken Sie auf den Rezeptions-PCs bestimmte Websites & Ports, wie bspw. P2P-Netzwerke (Skype, E-Donkey, etc.), Facebook, MySpace, etc. Verwenden Sie dafür – wenn notwendig – eigene PCs, auf denen kritische Anwendungen wie “Hotelsoftware” nicht installiert ist.
  • Bleiben Sie skeptisch
    • Vertrauen Sie keinen Websites, die von Ihnen persönliche Daten für eine Information bzw. einen Download verlangen; oft sind es Kinder, die mit einem “kostenlosen Download” eines Spiels geködert werden und damit unbeabsichtigt ein Abo bestellen.
    • Ignorieren Sie Zahlungsaufforderungen von unbekannten Internet-Firmen (z.B. Anbieter von Domain Namen, Abodienste, etc.). Informieren Sie sich ggf. bei den Verbaucherzentralen (Deutschland) oder beim Verein für Konsumenteninformation (Österreich) über Ihre Rechte.

Weiterführende Links

www.saferinternet.at

www.klicksafe.de

Verein für Konsumenteninformation [AT]

Verbraucherzentrale [DE]

www.zeit.de/digital/datenschutz

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