Die ÖHV hat in einer Studie jüngst 500 Online Reiseplattformen erfasst, davon 70 bewertet und 20 analysiert und möchte den Hotels damit ein praktisches Werkzeug für die Auswahl der richtigen Buchungsplattform geben. Der Trend zur Onlinebuchung insbesonders in der Städtehotelerie und im Segment der Pauschalreisen (zu Warmwasser-Destinationen) ist ungebrochen, doch wie sieht es damit eigentlich in der gehobenen Ferienhotelerie aus?
Der “Nutzen” der Online Buchungsportale
Fast alle Online Reiseportale werben mittlerweile mit “Bestpreisgarantie” und setzen damit die Hotels gehörig unter Druck. Ergänzend dazu verkauft das Reiseportal noch teure Display-Werbung oder kanibalisiert die Hotel-Angebote mit Schnäppchen-Aktionen wie “Urlaub ab 1 EUR” oder “-40% Lastminute”. Der Nutzen für den Hotelier tendiert damit gegen null, denn wenn Onlinebuchung nur funktioniert, wenn man Urlaub “verschenkt”, sollte man besser gleich die Finger davon lassen.
Meine Erfahrungen zeigen ohnehin, dass die Ferienhotel Onlinebuchung nur im unteren Preis-Segment einigermassen gut angenommen wird. Im 4* und 5* Segment findet lediglich ein verhältnismäßig geringer Online-Buchungsumsatz statt; vorausgesetzt das Hotel verfügt über eine individuellen Webauftritt und nicht bloß über eine Katalogseite bei einem Online Reiseportal.
Aus meiner Sicht spricht leider sehr viel dagegen, dass es in der gehobenen Ferienhotelerie kurz- bis mittelfristig einen signifikanten Erfolg für Onlinebuchung geben wird:
- Es gibt (zu viele) unterschiedliche Onlinebuchungsplattformen
- genausoviele technische Systeme stecken aber auch dahinter zu denen es keine einheitliche Schnittstelle gibt.
- Onlinebuchung funktioniert nur dann, wenn Kontingente in Echtzeit aktualisiert werden und der Pflegeaufwand steigt mit jeder zusätzlichen Plattform
- Es vergeht kaum ein Monat, an dem nicht irgendeine neue Reiseplattform ihr Glück bei den Hoteliers versucht. Dahinter stecken oft nur Pseudo-Inhalte und eine syndizierte Buchungsengine wie bspw. traveltainment oder hrs oder whoever…
- Keine Kosteneinsparungen für den Hotelier
- Die meisten Onlineplattformen verlangen pro Buchung etwa
12%15% Kommision, wobei dieser Satz auf manchem Portal bereits marktwirtschaftlichen Regeln unterworfen wird: Ein Hotelier der einen höheren Buchungsprovisionssatz bietet, wird auf dem Portal weiter vorne gelistet. Derzeit landet man so bei einigen Online Reiseportalen bei satten 30%! - Das Preisdiktat durch die Onlineportale nimmt zu: Der Hotelier soll einem Online Reiseportal eine Bestpreisgarantie für ein Standardprodukt (Hotelzimmer) garantieren – wie soll das funktionieren, wenn der Hotelier auf 10 Portalen eingeschrieben ist?
- Immer öfter lassen sich nur noch mit Schnäppchen und Lastminute-Preisen eine Buchung generieren. D.h. man gewährt einen Rabatt und bezahlt obendrauf noch Buchungsprovision… das ist der Anfang der Preisspirale nach unten.
- Überhaupt gewinnt man mittlerweile den Einduck, dass es bei fast allen Online Reiseportalen nur noch um den billigsten Preis geht; “Service” (24 Stunden Buchungshotline, dynamische Pauschalgenerierung, Transfer-Organisation, Tickets für Sehenswürdigkeiten, etc.) findet man praktisch nicht.
- Die meisten Onlineplattformen verlangen pro Buchung etwa
Gibt es “Alternativen” zu Online Buchungsportalen?
Definitiv ja!
Die Lösung heisst DIREKTBUCHUNG! Genau hierin liegt auch der Vorteil des Internets, denn das Web hat nichts wirklikch Neues erfunden, sondern nur das Direktprinzip verstärkt.
In den letzten Jahren haben sich zahlreiche Standards im Internet etabliert und die meisten 4*/5* Hoteliers haben den Schritt ins Online Zeitalter bereits erfolgreich vollzogen. Bloggen, Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenmarketing sowie aktive Nutzung von Holidaycheck stehen dort genauso auf der Tagesordnung wie Angebotsentwicklung, betriebswirtschaftliche Kalkulation, Forecast-Berechnungen usw.
Das zentrale Tool in den Hotels ist das Hotelprogramm!
Es wird nicht nur zur Zimmerverwaltung genutzt. Das Hotelprogramm (z.B. ELITE) verfügt auch über Ressourcenplaner (Wellnesstermine), CRM-System (Newslettersystem) und auch über eine Synchronisierung der Kontingente/Freimeldungen mit diversen Online Buchungsportalen. Und es gibt auch ein Erweiterungs-Modul zur Onlinebuchung, welches direkt in die eigene Hotel-Homepage integriert werden kann.
Der positive Nebeneffekt: Der Hotelier braucht niemanden eine Provision zu bezahlen, wenn sich jemand bereits auf der Hotel Homepage befindet und beschließt, sofort zu buchen!
Auf diese Weise gewinnt der Hotelier auch wieder mehr Unabhängigkeit von Online Reiseportalen und kann den Preis wieder selbst so gestalten, ohne dafür doppelt zur Kasse gebeten zu werden.
