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11.11.2009 01:11 | Allgemein

Pauschalreisen vs. Individualreisen und warum Österreich-Urlaub günstiger ist als viele meinen

Immer wieder habe ich in den letzten Jahren von “Tourismusexperten”, “Consulting-Agenturen” und “Onlinetouristikern” Sprüche gehört, dass Österreich ein hochpreisiges Land für Urlauber sei. Mittlerweile bin ich selbst viel in der Welt herumgekommen, habe hier und dort auch mal eine (Lastminute) Pauschalreise im Internet gebucht und insbesonders in den letzten Jahren meine Vorliebe für Erholung in gehobenen (aber nicht abgehobenen) Wellnesshotels entdeckt.

Meine Erfahrung: Österreich ist im Vergleich zu anderen Urlaubsdestinationen eine preisgünstige Oase für Urlauber, die Qualität, gutes Essen und freundliches Service schätzen. Also alles andere als “hochpreisig”. Aber ist kein Land für Urlauber mit “Geiz ist Geil”-Mentalität und Sparfüchsen in Touristikonzernen!

Irgendwann mal habe ich festgestellt, dass man für rund 1000 EUR pro Person 1 Woche “Unterkunft + Halbpension” auch in “5* Spa Luxushotels” auf Mallorca oder die dalmatinische Küste oder auf die Kanaren fliegen kann – als Pauschalreise von großen Reiseveranstaltern übers Internet gebucht.

Die Reise beginnt meistens damit, dass man mit der S-Bahn 1 Stunden zum Flughafen fährt, dort 2 Stunden rumgammelt bis man endlich im Flieger sitzt, dann zwischen 2 und 4 Stunden (je nach Destination) auf engsten Raum die Zeit totschlägt mit einem Filmchen, labbrigen Brötchen und Plörre mit Kaffeeweißer. Bestenfalls surren die Triebwerke so monoton, dass man einschläft. Am Zielflughafen angekommen wird man dann (meistens) von den freundlichen Schildchenträgern im besten Fall zu einem Sammeltaxi gebracht, in den meisten Fällen aber zu einem Sammelbus, der die nächsten 3-4 Stunden die mitgereisten Urlauber an den Hotels entlang der Strecke “ablädt”. Irgendwie hab ichs immer geschafft, dass wir die letzten im Bus sind und unser Hotel am Schluß des Transfers steht.

Frühmorgens aufgestanden – spät Abends im Hotel angekommen, oder andersrum ausgedrückt: 1 ganzer Tag versch…!

Individualität ist bei Pauschalreisen ja eher nicht angesagt und so hatten wir meistens zwar ein schönes Zimmer oder Juniorsuite, aber die sehen alle gleich aus wie die anderen 500 Zimmer eben auch. Und spätestens, wenn im Nachbarzimmer der Fernseher läuft, oder draussen am Pool die abendliche Livemusik dröhnt merkt man: Hier ist man nicht allein! Einsame Buchten gibt es nur im Reiseprospekt.

Zum Frühstück gibt es die gleichen labbrigen Brötchen und die gleiche Plörre wie im Flugzeug und das Abendessen gleicht einer Kantine: Sättigungskultur pur!

Die nächsten fünf Tage verbringt man meistens damit, vom Hotel zum Strand zu latschen und wieder retour. Man sammelt zahlreiche Einkaufsbons für die “Extras”, wie bspw. Wasser, Obst, Sandwich oder auch mal ein Espresso für zwischendurch. Am Tag vor der Abreise wird einem mitgeteilt, dass man morgens um 5 Uhr abgeholt wird – obwohl der Flieger erst um 11 Uhr geht und der Flughafen gerade mal 1 Stunde entfernt liegt… na eh klar: Wir sind diesmal “die ersten” in der “Hotelbustour” und bis alle anderen abgeholt sind… naja. Dann buchen wir doch lieber ein individuelles Taxi; “des macht des Kraut auch nimmer fett”, soviel Geld wie wir in den letzten Tagen zusätzlich ausgegegeben haben.

Flug nach Hause – das ganze Programm “rückwärts” und am Ende wieder ein Tag verloren. Langsam wird klar: 7 Tage Pauschalurlaub bedeutet definitiv nur 5 Tage. Und nach der Rückreise ist man meistens so geschlaucht, dass man gleich nochmals 1 Woche Urlaub braucht – doch halt: Man hat doch gerade erst fuffzehnhundert Euro für 1 Woche Urlaub pro Person rausgeworfen und was hat man dafür bekommen?!

Bleiben wir bei 1000 EUR Budget pro Woche pro Person: Man fährt mit dem Auto oder dem Zug für 1 Woche in ein 4* oder 4*S Hotel nach Tirol. Anreise: 2-3 Stunden, d.h. Urlaub vom ersten Tag an. Im Hotel wird man bereits erwartet und meistens auch noch ein kleiner Bergüßungsdrink gereicht. Das Zimmer ist herrlich individuell, Wasserflaschen und/oder Obst steht bereit. Wenn man nicht gerade auf der Piste ist oder beim Bergwandern auf dem Berg, dann geht man am Nachmittag zum Kuchenbuffet und gönnt sich dazu noch einen Espresso. Dann ab in die Wellness zum schwimmen, saunieren, lesen, schlafen…fast wie am Strand, nur läuft hier keiner rum und will einen ständig Handtücher, gefakte Uhren oder eine halbe Kokosnuss für 20 Euro verkaufen!

Zum Abendessen gibts ein 4-Gang-Wahlmenü; frisch zubereitet! Danach noch ein heimischer Wein an der Bar, bevors ab ins Bett geht: In gemütlichen, rückenfreundlichen Betten mit hochwertigen Matratzen und Lattenrost.

Die nächsten Tage verbringt man nach belieben – es gibt kein Pflichtprogramm, bei guten Wetter geht man raus in die Berge, wenns draussen regnet bleibt man drin im Spa oder unternimmt eine Erkundungsfahrt in die Umgebung. Einfach “Easy living pur”!

Am Tag der Abreise hat man keinen Stress, schläft sich aus, bleibt noch bis zum Nachmittag im Hotel und fährt dann, wenn die meisten Staus schon wieder aufgelöst sind, erholt und mit neuer Energie nach Hause.

Und was hat das ganze nun gekostet: Genausoviel wie der Pauschalurlaub? Nein, viel weniger: Denn wenn man den Pauschalurlaub mit 5 Tagen rechnet, das minderwertige Flugerlebnis dazurechnet und die schlechte Verpflegung, dann wird einem klar, dass Österreich im Vergleich zu Pauschalreise-Destinationen wirklich KEIN teuers Pflaster ist. Aussagen wie “Österreich ist ein Hochpreisland” sind aus meiner Sicht völliger Nonsens und entbehren jeglicher Vernunft und Grundlage.

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