Zur Zeit kocht in der österreichischen Ferienhotelerie mal wieder das Thema “Onlinebuchung” über, ausgelöst durch eine Erhöhung der Buchungsprovisionen eines großen Buchungsportals von 12% auf 15%. Siehe Video.
Der Ruf nach einer “Austro-Booking”-Plattform wird lauter. – Eine Überlegung ist es aus meiner Sicht in jedem Fall Wert.
Mehr oder weniger alle Vermieter betreiben heute ihre eigene Website – sei es als “Visitenkarte” aus einem Homepage-Baukasten oder individuell gestaltet und mit jeder Menge programmiertechnischer Rafinessen garniert. Die Aufgabe der Website ist primär die Unterkunft bestmöglich und authentisch zu präsentieren. Allen Websites gemeinsam ist, dass der Gast in der Regel den Kontakt zum Vermieter via eines Web-Kontaktformulars (Die “Unverbindliche Anfrage”) herstellt.
Der erste Grund für eine Austro-Booking-Plattform:
Eine Austro-Onlinebooking-Lösung kann als (interessens)neutrale Onlinebuchungslösung in die eigene Hotel oder TVB Website eingebaut werden!
Ist der Einbau einer fremden, provisionspflichtigen Onlinebuchung sinnvoll?
Meines Erachtens ist es keine Lösung, wenn der Vermieter die Booking-Engine eines (privaten) Reiseportals auf seine Website einbaut, auch wenn diese zur Zeit bei einigen Onlinebuchungsportalen “nur 3%” beträgt. Wie schnell aus 12% 15% werden sieht man ja… und es wäre naiv zu glauben, 3% bleiben immer 3%.
Jede externe, provisionspflichtige Online-Buchungslösung greift auf der eigenen Website parasitär ein und profitiert bei jeder Buchung, die der Kunde so oder so getätigt hätte. Somit erhöhen sich die Kosten-pro-Buchung – tausende Euro werden pro Jahr für Webmarketing ausgegeben, nur damit der Gast auch entsprechend seinen Interessen zum Ferienhotel in Österreich findet.
Eine Austro-Onlinebooking-Lösung stellt einen wichtigen Gegenpol zum Online-Preiskampf der übrigen Reiseportale dar!
Das Falschversprechen: Onlinebuchung ist billiger
Möchte der Gast ein Ferienhotel online buchen, ist er in den meisten Fällen mit dutzenden Reiseportalen konfrontiert, die allesamt mit “Bestpreisgarantie” werben und dem Kunden so ein falsches Bild der Unterkunft vermitteln: Nämlich, dass diese auf einem Reiseportal günstiger buchbar ist als direkt im Hotel.
Dem Vermieter wurde jahrelang eingeredet, er müsse auf möglichst vielen Online Reiseportalen vertreten sein. Aber will man nicht auf dutzenden Reiseportalen stündlich Kontingente pflegen, muss man zu einem Channel-Management System greifen. Und mit einem weiteren parasitären Eingriff in der Provisionskette leben…
Eine Austro-Booking-Plattform würde den Tourismusverbänden ermöglichen, an der Entwicklung des Systems mitzubestimmen!
Die Tourismusverbände sind Direktvermarkter der Destination – und regionales Reiseportal
Von den Verantwortlichen der diversen Reiseportale wird immer behauptet, der Vermieter selbst wäre “schuld”, wenn zu billig angeboten wird. Das halte ich für Humbug!
Alle Reiseportale verdienen satte Millionenbeträge mit Masse, statt Klasse – welche Unterkunft (ob klein oder gross) zu welchem Preis gebucht wird ist den Online-Reiseportalen im Einzelfall völlig egal! Genau darum wird der Wettbewerb ja mit “Urlaub ab 1 EUR” oder “Unterkunft zum besten Preis” oder “Kostenfreie Stornierung bis 18 Uhr” angeheizt.
Die Städtehotelerie durchlebt diesen Wettbewerb täglich, der Einsatz von Revenue Management Systemen bereits Standard. Gute Nacht, wenn das auch Einzug in die Ferienhotelerie hält.
Eine Austro-Booking-Lösung schafft werthaltige Rahmenbedingungen für Gäste, Vermieter und Regionen!
Eine Investition in die Zukunft
Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet, dass der Vermieter einen guten Preis für seine Unterkunft erzielt und damit nicht nur Kredite tilgen, sondern auch in die Zukunft investieren kann. Steht immer das Preisargument im Vordergrund, ist das Ende nicht mehr weit.
Die großen werden größer, die kleinen verschwinden, es bleibt kein Geld für Investitionen oder Infrastruktur usw. Auch für eine touristische Region hat der Preiskampf langfristig gravierende Nachteile.
Die heutigen Online Reiseportale fördern meiner Meinung nach in Ihrer Wirkung langfristig genau dieselbe Entwicklung wie der Massentourismus!
Mein Vorschlag, wie eine Austro-Booking Lösung aussehen könnte
Die Austro-Booking-Lösung darf aus meiner Sicht kein x-tes Online-Reiseportal sein, da hierüber lediglich wieder unterschiedliche Interessenskonflikte entstehen.
Das ganze sollte hingegen “nur” als Backoffice-Programm* entwickelt werden, bei der die Daten durch eine genormte “Austria-XML-Schnittstelle” nahtlos in die Web-Front-Ends der jeweiligen Websites (TVB Regionswebsite, Hotel-Website, ÖW-Website, etc.) eingebunden werden.
Die Abwicklung des Zahlungsverkehrs übernimmt eine Clearingstelle (Bank, etc.), den Buchungsservice die jeweiligen TVBs einer Region.
Eine Überlegung Wert wäre ein Genossenschaftsmodell nach dem Vorbild von Raiffeisen. Dann hätte man sowohl IT Infrastruktur als auch Zahlungsabwicklung organisiert. Und das Tiroler Landesreisebüro könnte für jene TVBs Partner werden, die die Online-Buchungen nicht selbst abwickeln möchten. In dieser Konstellation wäre jedenfalls ausgeschlossen, dass Ferienbetriebe zu privaten OTAs gezwungen werden, nur um Online buchbar zu sein.
*) Technisch gesehen wurde so ein Backoffice ja bereits vor einigen Jahren in Tirol entwickelt. Zurückkaufen wird nicht funktionieren, aber Re-Engineering wäre ein gangbarer Weg. Und ob man das gut findet oder nicht: Auch zukünftig werden neue Unternehmen neue Online-Buchungslösungen entwickeln – da schadet es sicher nicht, sich nochmals mit dem Thema auseinanderzusetzen.
