Über “Der erste sein wollen”

Ich manage schon seit vielen Jahren die Websites und Google AdWords Kampagnen für einige ausgewählte Hotels, TVBs und Marketingkooperationen. Immer wieder werde ich dann von Kunden gefragt “wo denn die eigene Website oder AdWords Anzeige” sei und “man findet sich selbst nicht” oder “Mitbewerber sind weiter oben”… Dieses ständige “sich vergleichen” ist bezeichnend für die gesamte Tourismusbranche.

Google Ranking und AdWords

Die Positionierung einer Website im Suchergebnis zu pushen ist mittlerweile zum Volkssport geworden. Es ist nachvollziehbar, dass bspw. alle Tiroler Hoteliers beim Suchbegriff “Hotel Tirol” ganz vorne landen möchten. Wunsch und Wirklichkeit klaffen hier aber genauso auseinander wie das Gefälle innerhalb der Sterne-Kategorisierung.

Die “erste Seite” bei Google hat nur Platz für 10 Positionen im organischen Ranking! Und das Ranking hängt nicht nur davon ab, welcher Suchbegriff verwendet wurde, sondern auch vom geografischen Standort des Nutzers, der Domain (google.at und google.de zeigen unterschiedliche Rankings!) und einige hundert Parameter mehr, welche NICHT direkt beeinflussbar sind. Wer es im “organischen Ranking” nicht nach oben schafft versucht es halt mit Google AdWords. ALLE machen das mittlerweile so.

Die Positionierung einer Google AdWords Anzeige hängt ebenfalls von einigen wesentlichen Faktoren ab, ganz vorne bspw. das “Klickgebot” in Verbindung mit dem “Tagesbudget”. Google wirbt zwar immer noch mit “Werbung ab 10 Cent”, doch ist dies bezogen auf Keywords wie “Ski Tirol” oder “Wellnesshotels” oder “Urlaub in Österreich” schon längst überholt. Wer bei solchen Top-Keywords stetig “vorne” mit dabei sein möchte und das Suchvolumen in D,A,CH einigermaßen ausreizen möchte, muß mindestens das 10-20fache für den Klick bieten und überdies ein Tagesbudget zwischen 100-1000 EUR bereitstellen, und zwar an 365 Tagen im Jahr, nicht nur für 1 Woche…

Zählt wirklich nur “der 1.Platz?”

Wer als Hotel nicht wirklich zu den “ganz großen” zählt, dem bleibt nur eines übrig: Man sollte sich in erster Linie und im Rahmen Ihrer Möglichkeiten (eigenen Größe) auf das Kerngeschäft konzentrieren und Mikromarketing betreiben. D.h. zum Beispiel nur die Verwendung von regionalen Keywords bei einer AdWords Kampagne und die Ausrichtung im SEO auf Hotel+Regionsname und Themenhotel+Regionsname.

Social Media (Facebook) – dabei sein, weil andere auch dabei sind?

Auch bei Erfolgsgeschichten von Social Media finden immer wieder die großen Marken Erwähnung. Coca Cola hat ein paar Millionen “Friends”, Coca Cola hat aber auch eigene Leute und Abteilungen, die den ganzen Tag nichts anderes als Social Media machen.

Ich kenne zwar auch Hotels, die sehr aktiv mit Facebook, Twitter und co arbeiten – diese Hotels beschäftigt aber 150 Mitarbeiter, davon alleine 2 für (Web)Marketing. Fakt ist, dass die wenigsten Menschen ein Unternehmen wie Coca Cola haben und die wenigsten Hotels in der Ferienhotelerie zu den ganz großen zählen und über deren finanzielle und zeitlichen Möglichkeiten verfügen.

Die Realität zeigt: Die meisten Hotels haben in Facebook irgendwo zwischen 100 und 1000 “Friends” – davon sind die meisten Nachbarn, Kollegen, Dorfbewohner und Lieferanten. Dann wird es für das Thema “Social Media Marketing”natürlich schwierig – vor allem, wenn es zu wenige Multiplikatoren gibt, die tolle YouTube Videos herumreichen und über das Hotel bloggen. Genauso stellt sich die Frage: WER kümmert sich um Social Media in einem Hotel? Der Hotelier selbt, der sowieso nie Zeit für irgendwas findet? Oder die ohnehin schon überlastete Rezeption? Und dabei haben wir noch gar nicht über Twitter und die sonstigen Plattformen geredet…

Man sieht: Im Internet ist auch für Hotels vieles (technisch) möglich, aber nicht alles gleichermassen sinnvoll in der Anwendung.

Gibt es Alternativen?

Vielfach sehen Hoteliers die eigene Website als Nabel der Welt sehen und glauben, eine gute designte Website kompensiert betriebliche Mankos oder “webbasierte Tools” verbessern die Auslastung. Genau aus diesem Grund haben “Keiler” oftmals leichtes Spiel, denn der Druck auf die Unterkünfte wächst auch im Internet.

Es wird hier zumeist bei “den Großen” kopiert und abgeschaut. Es ist zwar okay, wenn man sich als Hotelier “nach oben” orientiert und ein gewisser Druck schadet auch nicht. Aber nur, wenn man sich dadurch mit seiner eigenen Positionierung – im Sinne von: Wellnesshotel, Kinderhotel, Skihotel, etc. – auseinandersetzt und stetig versucht, im Rahmen seiner Möglichkeiten das BESTE Angebot für den Gast kreiert.

Den letztlich wird ein Ferienhotel insbesondere dadurch Punkten, wenn Qualität & Geschmack der Speisen stimmen, die Zimmer sauber und gemütlich sind, freundliche Mitarbeiter den Gast hofieren und – nicht minder wichtig – die Umgebung einiges zu bieten hat. Das spricht sich dann von ganz alleine herum – oder man hilft ein wenig nach, in dem man “gutes tut und darüber spricht”, z.B. durch Pressemitteilungen, Veranstaltungen, etc. Außerdem hat man dann für die Website, Blogs und Facebook-Posts nicht nur “Lobhudelei” sondern auch tatsächlich etwas authentisches zu erzählen.

Wenn allerdings ein Hotel versucht, geistige Windstille durch hektische Betriebsamkeit im Internet zu kompensieren, dann funktioniert auch die suchmaschinenoptimierteste Website, der engagierteste Facebook Auftritt, stündliche Twitter-Feeds und tägliche Blogartikel nichts. Denn nur immer “der erste” bei irgendwas sein zu wollen ist aus meiner Sicht der falsche Ansatz!

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